eingang_dt-jap-gesIm öffentlichen Bewußtsein für die Folgen des demografischen Wandels und für die Demenzerkrankung ist Japan etwas weiter als Deutschland.

Den ersten Teil des Tagungsberichtes finden Sie hier.

 

Bild: Eingangsbereich des
Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin
© Dr. Silke Bromann

  • Der Präventionsgedanke ist in der Gesellschaft weit verbreitet. In vielen Schulen und Betrieben gehört die Frühgymnastik zum Alltag. Die traditionelle japanische Küche ist als fettarm und vitalstoffreich bekannt. Da sich allerdings auch in Japan Fastfood und Fertiggerichte einer großen Beliebtheit erfreuen, werben Kampagnen des Gesundheitsministeriums (und der heimischen Landwirtschaftsverbände) für die Vorteile des traditionellen Essens. Anti-Rauch-Kampagnen zeigen langsam Wirkung, auch wenn der Nikotinkonsum im Japan noch vergleichsweise hoch ist.
  • Große Unternehmen bieten eine umfassende Gesundheitsvorsorge inklusive jährlicher Gesundheitschecks für die Beschäftigten an. Der jährliche Gesundheitscheck ab dem 40. Lebensjahr soll in Zukunft von der staatlichen Krankenversicherung auch für alle Nicht-Angestellten angeboten werden. Die Untersuchung beinhaltet unter anderem die Untersuchung von Blut und Urin, eine Röntgenaufnahme der Lunge sowie ein EKG.
  • Landesweit können sich Bürger zu „Demenz Supportern“ ausbilden lassen: Wenn sie an einer 90-minütigen Unterweisung teilgenommen haben, erhalten sie ein orangefarbenes Armband, das sie als freiwillige Demenzhelfer ausweist. Inhalt der Schulung sind Informationen zur Demenzerkrankung und Verhaltenstipps, wie sie Erkrankten helfen können, die sich zum Beispiel verirrt haben oder mit dem Bezahlen an der Supermarktkasse nicht mehr zurechtkommen.
  • Durch solche Schulungen und Aufklärungskampangen ist ein hohes Bewußtsein für das Thema Demenz vorhanden. Herr Mizutani, der zuständige Referent aus dem japanischen Gesundheitsministerium berichtete von seiner neunjährigen Tochter, die in der Schule über die Demenz in ihren unterschiedlichen Ausprägungen gelernt hatte und das verwirrte Verhalten von älteren Menschen daher in Ordnung findet. Herr Mizutani erinnerte sich an seine eigene Jugend, wo er sich seiner dementen Großmutter, die einmal fast das Haus in Brand gesteckt hätte, geschämt hat.
  • Großer Wert wird in Japan auf die „Community“ gelegt. Nachbarschaftshilfe und örtliche Freiwilligenangebote werden gefördert, um so niedrigschwellige Angebote für ältere Menschen zu schaffen. Beispielsweise bringen die Nachbarn den Müll zur Sammelstelle oder erledigen Einkäufe für diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Hier kann Japan auf ein generell stärkeres Gemeinschaftsgefühl und gewachsene Strukturen in den Nachbarschaften zurückgreifen. Kritische Stimmen gibt es dazu auch in Japan: Es wird befürchtet, dass sich der Staat so aus einen Verpflichtungen zurückziehen könnte.

„Knackpunkte“ und zukünftige wichtige Aufgaben liegen in beiden Ländern ähnlich:

 

  • Bei der Finanzierung der Pflege stehen immer mehr Pflegebedürftige immer weniger Einzahlern in die Sozialversicherung gegenüber.
  • Die Aktivitäten der einzelnen Akteure (Zentrale und kommunale Verwaltung, Sozialversicherungsträger, Privatwirtschaft, Wohlfahrtsverbände, Freiwillige) können noch besser koordiniert werden. Diese Aufgabe soll mit den neuen Gesetzen und Verordnungen in Angriff genommen werden.
  • Betroffene und ihre Angehörigen wünschen sich mehr Möglichkeiten der Teilhabe und Einflußnahme.

Der Blick auf Japan lohnt sich, um mehr über Möglichkeiten des Umgangs mit der alternden Gesellschaft zu erfahren. Auf meiner Webseite werde ich Sie auch weiterhin mit Informationen zu diesem Thema versorgen.

Sie wollen sich selber vor Ort in Japan ein Bild von der Situation in Altenheimen und den aus den Medien bekannten Pflegerobotern machen? Mein Partner Verano Quality – Qualitätsmanagement in der Altenpflege bietet im Oktober eine Exkursion nach Japan an. Nähere Informationen finden Sie hier.

05/07/15Tagungsbericht „Prävention in der alternden Gesellschaft“ (2): Japan ist in einigen Bereichen weiter

Eingangsbereich des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin (C) Dr. Silke Bromann
Den ersten Teil des Tagungsberichtes finden Sie hier.
Im öffentlichen Bewußtsein für die Folgen des demografischen Wandels und für die Demenzerkrankung ist Japan etwas weiter als Deutschland.

• Der Präventionsgedanke ist in der Gesellschaft weit verbreitet. In vielen Schulen und Betrieben gehört die Frühgymnastik zum Alltag. Die traditionelle japanische Küche ist als fettarm und vitalstoffreich bekannt. Da sich allerdings auch in Japan Fastfood und Fertiggerichte einer großen Beliebtheit erfreuen, werben Kampagnen des Gesundheitsministeriums (und der heimischen Landwirtschaftsverbände) für die Vorteile des traditionellen Essens. Anti-Rauch-Kampagnen zeigen langsam Wirkung, auch wenn der Nikotinkonsum im Japan noch vergleichsweise hoch ist.
• Große Unternehmen bieten eine umfassende Gesundheitsvorsorge inklusive jährlicher Gesundheitschecks für die Beschäftigten an. Der jährliche Gesundheitscheck ab dem 40. Lebensjahr soll in Zukunft von der staatlichen Krankenversicherung auch für alle Nicht-Angestellten angeboten werden. Die Untersuchung beinhaltet unter anderem die Untersuchung von Blut und Urin, eine Röntgenaufnahme der Lunge sowie ein EKG.
• Landesweit können sich Bürger zu „Demenz Supportern“ ausbilden lassen: Wenn sie an einer 90-minütigen Unterweisung teilgenommen haben, erhalten sie ein orangefarbenes Armband, das sie als freiwillige Demenzhelfer ausweist. Inhalt der Schulung sind Informationen zur Demenzerkrankung und Verhaltenstipps, wie sie Erkrankten helfen können, die sich zum Beispiel verirrt haben oder mit dem Bezahlen an der Supermarktkasse nicht mehr zurechtkommen.
• Durch solche Schulungen und Aufklärungskampangen ist ein hohes Bewußtsein für das Thema Demenz vorhanden. Herr Mizutani, der zuständige Referent aus dem japanischen Gesundheitsministerium berichtete von seiner neunjährigen Tochter, die in der Schule über die Demenz in ihren unterschiedlichen Ausprägungen gelernt hatte und das verwirrte Verhalten von älteren Menschen daher in Ordnung findet. Herr Mizutani erinnerte sich an seine eigene Jugend, wo er sich seiner dementen Großmutter, die einmal fast das Haus in Brand gesteckt hätte, geschämt hat.
• Großer Wert wird in Japan auf die „Community“ gelegt. Nachbarschaftshilfe und örtliche Freiwilligenangebote werden gefördert, um so niedrigschwellige Angebote für ältere Menschen zu schaffen. Beispielsweise bringen die Nachbarn den Müll zur Sammelstelle oder erledigen Einkäufe für diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Hier kann Japan auf ein generell stärkeres Gemeinschaftsgefühl und gewachsene Strukturen in den Nachbarschaften zurückgreifen. Kritische Stimmen gibt es dazu auch in Japan: Es wird befürchtet, dass sich der Staat so aus einen Verpflichtungen zurückziehen könnte.
„Knackpunkte“ und zukünftige wichtige Aufgaben liegen in beiden Ländern ähnlich:

• Bei der Finanzierung der Pflege stehen immer mehr Pflegebedürftige immer weniger Einzahlern in die Sozialversicherung gegenüber.
• Die Aktivitäten der einzelnen Akteure (Zentrale und kommunale Verwaltung, Sozialversicherungsträger, Privatwirtschaft, Wohlfahrtsverbände, Freiwillige) können noch besser koordiniert werden. Diese Aufgabe soll mit den neuen Gesetzen und Verordnungen in Angriff genommen werden.
• Betroffene und ihre Angehörigen wünschen sich mehr Möglichkeiten der Teilhabe und Einflußnahme.
Der Blick auf Japan lohnt sich, um mehr über Möglichkeiten des Umgangs mit der alternden Gesellschaft zu erfahren. Auf meiner Webseite werde ich Sie auch weiterhin mit Informationen zu diesem Thema versorgen.
Sie wollen sich selber vor Ort in Japan ein Bild von der Situation in Altenheimen und den aus den Medien bekannten Pflegerobotern machen? Mein Partner Verano Quality – Qualitätsmanagement in der Altenpflege bietet im Oktober eine Exkursion nach Japan an. Nähere Informationen finden Sie hier.
05/07/15

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